Andacht Exaudi

Sonntag 24.05.2020

Wochenspruch

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, will ich alle zu mir ziehen.
(Joh 12, 32)

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Wie es war im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit.
Amen.

 

Lied

 

  1. O komm, du Geist der Wahrheit,
    und kehre bei uns ein,
    verbreite Licht und Klarheit,
    verbanne Trug und Schein.
    Gieß aus dein heilig Feuer,
    rühr Herz und Lippen an,
    dass jeglicher getreuer
    den Herrn bekennen kann.

  2. Es gilt ein frei Geständnis
    in dieser unsrer Zeit,
    ein offenes Bekenntnis
    bei allem Widerstreit,
    trotz aller Feinde Toben,
    trotz allem Heidentum
    zu preisen und zu loben
    das Evangelium

 

Epistel für den Sonntag Exaudi

Eph 3, 14-21

14 ´Noch einmal:` Wenn ich mir das alles vor Augen halte, ´kann ich nicht anders, als anbetend` vor dem Vater niederzuknien. 15 Er, dem jede Familie im Himmel und auf der Erde ihr Dasein verdankt 16 und der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit, gebe euch durch seinen Geist innere Kraft und Stärke. 17 ´Es ist mein Gebet,` dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und dass euer Leben in der Liebe verwurzelt und auf das Fundament der Liebe gegründet ist. 18 Das wird euch dazu befähigen, zusammen mit allen anderen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, die Liebe Christi in allen ihren Dimensionen zu erfassen – in ihrer Breite, in ihrer Länge, in ihrer Höhe und in ihrer Tiefe. 19 Ja, ´ich bete darum,` dass ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganzen Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist. 20 Ihm, der mit seiner ´unerschöpflichen` Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, 21 ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

 

 


Gedanken zum Predigttext Jeremia 31, 31-44

Höre meine Stimme, wenn ich rufe – Exaudi - so heißt der Sonntag heute. Aber : Wer hört denn? Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten sind wir allein. Der Auferstandene hat sich getrennt von seinen Freunden, hat sich – Himmelfahrt - aufgemacht zu Gott. Und das Pfingstereignis, der Heilige Geist, der sich zu den Menschen begibt - steht noch bevor.

Höre meine Stimme, wenn ich rufe? Wer hört denn da noch? Im Kirchenjahr ist dieser Sonntag  ein bisschen verloren, ‚geistlos‘ sozusagen. So wie eine Zeit zwischen zwei Regierungen oder zwei Legislaturperioden des Kirchenvorstandes oder zwei Schuljahren. Eine Zeit dazwischen, wo man nicht so richtig weiß: woran soll ich mich halten.  Was gilt noch, was wird sich verändern?

In so einer geistlosen Zeit suchen Menschen nach Stabilität. Gefährlich wird diese Suche, wenn sie sich vermeintlichen Sicherheiten hingeben, sich populistischen Sprüchen anschließen, nach schnellen Lösungen suchen.  Also: was gibt unserem Leben Stabilität in geistlosen Zeiten?

Das Leben besteht aus Verträgen. Verträge regeln das Miteinander, und sie geben – zumindest in bestimmten Bereichen, Sicherheit. Der Stromanbieter schließt mit mir einen Vertrag über meinen Stromverbrauch und dessen Kosten, mein Handyvertrag sichert mir bestimmte Leistungen, ein Ehevertrag kann im Krisenfall Klarheit herbeiführen, usw. und wenn man einen Vertrag  nicht einhält, kann man sich die Konsequenzen schon vorher ausmalen. Wenn ich meinen Handyvertrag nicht bezahle, kann ich das Handy nicht nutzen. Wenn ich mich nicht Mietvertrags-konform verhalte, habe ich bald keine Wohnung mehr. Wenn eine Baufirma ihren Zeitplan nicht einhält, zahlt sie Konventionalstrafe. 

Bei einem Vertrag gehen beide Seiten eine Verpflichtung ein, und meist wird sie schriftlich festgehalten. Das gibt Sicherheit.

 

Im alten Israel, lange vor unserer Zeitenrechnung, haben die Menschen ihren Alltag auch mit Verträgen geregelt, sicher nicht immer schriftlich, aber die Folgen hatten sie trotzdem im Blick. Das Zwischenmenschliche musste geregelt werden, etwa durch klare Familienhierarchien, Regeln über das Verhältnis von Mann und Frau, und Regeln über das Verhältnis zwischen Mensch und Gott. Wir kennen die schönen alten Geschichten vom Bund Gottes mit Noah, die großen Versprechen an Abraham und auch Mose hat den Israeliten den Bund Gottes mit ihnen vor Augen gehalten. Gott sagt: Ich führe euch aus Ägypten heraus, und ihr haltet euch an meine Gebote:  zwar kein schriftlicher Vertrag, aber schon ein Versprechen auf Gegenseitigkeit und immerhin die Gebote in Stein gemeißelt. Und gerade in besonders geist-losen Zeiten waren in Stein gemeißelte Gesetze stabilisierend.

Verträge werden gebrochen, und die unvermeidlichen Folgen treffen ein. Immer wieder deuten die Schreiber des ersten Testaments ihren Alltag mit dem belohnenden oder strafenden Gott. Die Prophetenbücher sind voll von Drohungen der Propheten an das Volk. Einmal allerdings hat einer dieser Propheten, Jeremia war es, seine Hörer richtig überrascht. Im Jeremiabuch, das sonst hauptsächlich aus Unheilsprophetie besteht, gibt es eine besondere Ausnahme. Da macht sich Jeremia zum Sprachrohr Gottes, um ein großes Versprechen zu geben, das direkt ins Herz geht. Und das ist der Text, der heute als Predigttext für diesen ‚geistlosen‘ Sonntag Exaudi vorgesehen ist.

 

Gebt Acht, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, obgleich ich ihr Herr war; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich lege mein Gesetz in ihr Herz und schreibe es in ihren Sinn. Sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Da wird keiner den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie alle werden mich kennen, Kleine und Große. Ihre Untaten will ich vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken.

 

Was ist das Neue?

Dieses Gesetz geht direkt ins Herz. Gott sagt: Ich lege mein Gesetz in ihr Herz und schreibe es in ihren Sinn. Sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

Gott legt sich uns ans Herz: Ich will euer Gott sein, Ihr seid mein Volk. Ihr, Israel, und ihr, die Völker der Welt, ich euer Gott, und ihr mein Volk. Ein großes Versprechen, einseitig, kein Vertrag. Ein einseitig geschlossener Bund. Kein Vertrag der das Leben sicher macht, ein Bund im Herzen. Ein großes Versprechen. Etwas fürs Herz.

Ja, und dann? Was hab ich davon? Dass Gott sich in mein Herz gepflanzt, geschrieben hat? Was ich davon habe, ergibt sich. Ja es ergibt sich, ich muss es nicht machen. Kein Gebot einhalten, kein Gesetz befolgen. Es ergibt sich. Mit Jeremias Worten:

Da wird keiner den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie alle werden mich kennen, Kleine und Große. Ihre Untaten will ich vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken.

Soll heißen: Keiner muss mehr dem anderen sagen, wie das mit Gott zu verstehen ist. Keiner muss mehr dem anderen sagen, was gut ist im Leben und was schlecht. Jeder weiß es, jeder lebt es, es ergibt sich.  Kleine und Große werden Gott kennen. Es ergibt sich.

Ist das eine Utopie? In der ‚geistlosen‘ Zeit ein Blick in die weit entfernte Zukunft? Ja, möchte ich sagen, davon sind wir so weit entfernt wie lange nicht. Viel lieber und viel einfacher halten wir uns an Sicherheiten, an Gesetze, an Verordnungen, die das Leben regeln. Wer bei rot über die Ampel fährt, zahlt. Wer den Mietvertrag nicht einhält, geht. Wer in Deutschland kein Bleiberecht hat, wird ausgewiesen. Ja, das sind Gesetze, die Sicherheit geben. Aber sie gehen nicht ins Herz. Sie bleiben im Kopf.

Anders ist das, was wir in der Kirche erleben, was wir feiern. Ja, sicher, wir haben auch Gesetze, wie ein Gottesdienst geht, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen damit ich bei der Kirche arbeiten kann, wie viele Küsterstunden einer Gemeinde zustehen.  Aber unsere Botschaft, die uns aufgetragen ist, sie geht ins Herz. Und wenn wir Jugendliche konfirmieren und mit dem Segen entlassen, dann geht die Botschaft ins Herz. Und wenn zwei Menschen sich trauen lassen, geht der Segen ins Herz. Wenn eine Kirchengemeinde Kirchenasyl gewährt, tut sie das aus dem Herzen; die Diakonie der Kirche ist Herzenssache. Für mich ist all das schon ein Aufblitzen des neuen Bundes, von dem Jeremia vor so langer Zeit sprach. Hier wird etwas davon spürbar, was es heißt: ’Sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein‘. Es ergibt sich.

Höre meine Stimme, wenn ich rufe. Ja, möchte ich heute am Sonntag Exaudi rufen, ja Gott, höre uns und leg uns deine Gesetze ins Herz. Lass wahr werden, was du Jeremia in den Mund gelegt hast, lass wahr werden, was wir manchmal schon ahnen, und was in Jesus Christus  schon aufblitzte.

Und so warten wir in dieser ‚geistlosen‘ Zeit. Komm Heiliger Geist.

Amen.

 

Gebet

Gott ist da und hört zu. Ob gesprochen, geschrieben, gesungen oder gedacht Er kann es hören.

Ich erzähle Gott was mich beschäftigt, ich plaudere, bitte, danke, schweige und höre.

Ich denke an mich, meine Familie und Freunde, an Menschen in Not und größere Probleme.

 

Ich schließe mit dem Vater Unser.

 
VaterUnser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

Amen.

Segen

Der Herr segne und behüte mich,
von nun an bis in Ewigkeit.

Amen.
Zum Seitenanfang
JSN Boot template designed by JoomlaShine.com

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.