Der Einzug des Königs

WOCHENSPRUCH

Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.
Johannes 3, 14b-15


PSALM 69 (nach Peter Spangenberg)

Lieber Gott, komm und bleib dicht bei mir.
Das Wasser steht mir bis zum Hals, und ich habe das Gefühl:
Ich versinke im Morast.
Meine Füße verlieren den Grund.
Meine Angst ist wie ein Abgrund, mir wird schwindlig.
Ich habe bald keine Tränen mehr, so viel habe ich geweint.
Meine Stimme ist heiser, weil ich so viel geschrien habe.
Vor meinen Augen ist es wie Nebel, ich kann nicht klar sehen.
Ich warte schon lange auf dich.
Du kennst all meine Schwächen.
Ich möchte nicht, dass es andere merken,
damit sie nicht den Glauben verlieren, weil sie mich so sehen.
Halt mich fest, lieber Gott, zieh mich vom Abgrund zurück.
Ich weiß, dass du mich hörst, und das tut so gut.
Du weißt, worunter ich leide, du kennst, was mich bedrückt.
Ich hoffe oft, dass jemand kommt und mich in den Arm nimmt.
Aber es kommt keiner.
Sie speisen mich ab mit dummen Sprüchen
Und füttern mich mit klugen Ratschlägen.
Mir ist zum Heulen elend zumute.
Lieber Gott, nimm du mich in den Arm.
Ich will dir danken.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
Und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.


EVANGELIUM FÜR DEN SONNTAG PALMARUM
Johannes 12, 12-19

Jesus zieht in Jerusalem ein

12 Am nächsten Tag hörte die große Menge, die zum Passafest gekommen war, Jesus sei auf dem Weg nach Jerusalem. 13 Da nahmen sie Palmzweige, zogen ihm entgegen vor die Stadt und riefen laut: »Gepriesen sei Gott! Heil dem, der in seinem Auftrag kommt! Heil dem König Israels!« 14 Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, so wie es schon in den Heiligen Schriften heißt: 15 »Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Sieh, dein König kommt! Er reitet auf einem jungen Esel.« 16 Damals verstanden seine Jünger dies alles noch nicht; aber als Jesus in Gottes Herrlichkeit aufgenommen war, wurde ihnen bewusst, dass dieses Schriftwort sich auf ihn bezog und dass die Volksmenge ihn dementsprechend empfangen hatte. 17 Als Jesus Lazarus aus dem Grab gerufen und vom Tod auferweckt hatte, waren viele dabei gewesen und hatten es als Zeugen weitererzählt. 18 Aus diesem Grund kam ihm jetzt eine so große Menschenmenge entgegen. Sie alle hatten von dem Wunder gehört, das er vollbracht hatte. 19 Die Pharisäer aber sagten zueinander: »Da seht ihr doch, dass wir so nicht weiterkommen! Alle Welt läuft ihm nach!«


GEDANKEN ZUM EVANGELIUM

Jesus wird als König empfangen.
Nie war er königlich im eigentlichen Sinne.
Er trug keine aufwendigen Gewänder, wohnte nicht in einem Schloss,
er besaß kein Gold und Edelsteine.

Aber er hatte wundervolle Dinge getan.
Er hatte sich um die gekümmert,
mit denen niemand zu tun haben wollte.
Er hatte so anders von Gott gesprochen, so nah.
Und nun hatte er auch noch jemandem vom Tod auferweckt.

Einen König zu haben, der solche Dinge vollbringen kann,
das wäre großartig, so dachte die Menschenmenge.
Aber einige wollten auch bestimmt nur sehen,
was das für einer war, von dem solches erzählt wurde.

Neugier, Hoffnung, Erwartung,
das trieb die Menschen an diesem Tag auf die Straße,
ließ sie Palmzweige für Jesus ausbreiten
und ihn als König und Gottgesandten begrüßen.
Palmsonntag, der Sonntag vor Ostern.
In ein paar Tagen ist Karfreitag.
Was ist passiert? Heute machen wir uns Gedanken über Jesu Einzug in Jerusalem und dass er als König begrüßt wurde,
doch in ein paar Tagen geht es um seinen Tod, seine Hinrichtung.
Was ist passiert zwischen einer freudigen, hoffnungsvollen Begrüßung und dem Tag, an dem dasselbe Volk Jesus zum Tode verurteilt?

Ich habe am Mittwoch meinen Dienst als Pfarrerin im Probedienst hier in Heidkamp begonnen. Ich freue mich auf viele neue Erfahrungen, auf die Menschen, auf Gottes Handeln. Ich glaube aber auch, dass von Ihnen einiges an Hoffnungen und Erwartungen an mich gerichtet werden, zu Recht. Und ich hoffe auch vielem davon gerecht zu werden. Doch ich kann auch schon mit Sicherheit sagen, dass ich so manches Gemeindemitglied enttäuschen werde. Ich werde anders sein oder reden, als Sie es sich wünschen, ich werde falsches tun oder sagen oder Ihnen nicht genug Aufmerksamkeit schenken. Aber vielleicht wird es auch Stellen geben, an denen ich ihre Erwartungen übertreffe, wo sie positiv überrascht sein werden.
Das bringen Erwartungen eben mit sich.
Es ist gut mit einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft zu schauen.
Aber trotzdem wird es selten genauso, wie wir es uns vorgestellt haben.

Und genau so war es auch mit Jesus.
Von Anfang an hat er nicht dem entsprochen,
was die Menschen und vor allem die Gelehrten von ihm,
dem Messias erwartet hatten.
Als Baby in einem Stall geboren, von einem jungen Bauernmädchen.
Er ließ sich taufen, statt es selbst zu tun;
Sammelte zwielichtige Gestalten um sich.
Seine engsten Freunde waren einfache Fischer und Handwerker.
Er gehörte nicht zu den Gebildeten, war nicht in ihren Kreisen unterwegs,
er suchte nicht einmal ihre Nähe.

Und weil er so anders war, keimten neue Hoffnungen auf.
Diesmal bei denen, denen er sich zugewandt hatte.
Die, die an den Rändern der Gesellschaft standen.
Sie hofften nun auf einen König,
der das herrschende System stürzen würde,
der sie an die Macht bringen würde.
Sie hatten gesehen, wozu er fähig war.
Ja er würde die befreien,
davon hatte er auch immer wieder erzählt,
von Freiheit und Liebe, von Gott.
Und sie hatten zugehört, aber vieles war nicht leicht zu verstehen.
Aber sie verstanden, dass er auf ihrer Seite war.

Doch nun enttäuscht Jesus auch sie.
Als er in Jerusalem ankommt,
übernimmt er nicht die Macht,
er ruft nicht zum Widerstand auf,
er stürzt nicht das System.
Die Folgen sind verheerend für ihn, aber dazu nächste Woche.

Wie ist das bei uns und unseren Erwartungen an Jesus, an Gott?
Erwarte ich überhaupt was von Ihm?
Traue ich ihm überhaupt zu, dass er etwas verändern kann oder will?
Einige Male wurden meine Erwartungen schon enttäuscht.
Gott handelt nicht immer so wie ich es mir wünsche
oder auch nur so, dass ich es verstehe.
Doch die Frage ist, was das mit mir, mit unserer Beziehung macht.
Was ist, wenn ich von Gott enttäuscht bin? Wende ich mich ab.
Verliere ich den Glauben daran, dass er es überhaupt gut mit mir meint,
überhaupt an mir interessiert ist?

Gerade in diesen Zeiten brauchen wir Hoffnung.
Es ist gut von Gott etwas zu erwarten, auch wenn sich nicht immer alles so erfüllt wie wir uns das Erhoffen.
Oft bin ich aber gerade dafür dankbar.
Nie war Gottes Geschichte mit Jesus so, wie erwartet.
Und gerade das hat mich immer schon angesprochen.
Gott, so wie er sich uns in Jesus Christus begegnet,
entspricht nicht den üblichen Eigenschaften eines Gottes.
Doch gerade das ist es doch was ihn ausmacht.
Ein Gott, der sich zu seinen geliebten Menschen auf den Weg macht
(wir sind ihm also schon mal nicht egal), der alle Distanz aufgibt, der mitfühlt, der selbst leidet, der sich für nichts zu schade ist.
Darin übertrifft er meine Erwartungen immer wieder,
dass seine Liebe ihn zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen lässt. Amen.


LIEDSTROPHE

Was hast du unterlassen
Zu meinem Trost und Freud,
als Leib und Seele saßen
in ihrem größten Leid?
Als mir das Reich genommen,
da Fried und Freude lacht,
da bist du, mein Heil, kommen
und hast mich froh gemacht.

Wie soll ich dich empfangen
(Evangelisches Gesangbuch 11,3)

VATERUNSER

SEGEN
Der Segen des Herrn und seine Barmherzigkeit
komme über dich durch seine Gnade und Menschenliebe
alle Zeit, jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit. Amen.

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